Archiv für Dezember 2009

Die Protokolle der Weisen von Zion

Prof. Hagemeister im Literaturhaus Zürich 2009

Bild: Prof. Michael Hagemeister (München) bei seinem Referat über C. A. Loosli und die “Protokolle der Weisen von Zion” im Literaturhaus Zürich (Nov. 2009)

Zaristischer Geheimagent Golovinski der Verfasser – oder nicht ?

Prof. Hagemeister hält die heute meist vertretene  These von der Abfassung der “Protokolle der Weisen von Zion” in Paris durch einen Beauftragten des russischen Geheimdienstes (Golovinski) als historisch nicht erwiesen und bezeichnet einen im französischen “L’Express” (16. Nov. 1999) erschienenen Artikel, der über das Auffinden neuer Beweisdokumente für diese These durch den russischen Forscher Lépekhine im Archiv von Henri Bint berichtet, als “Zeitungsente”. Die Dokumente seien noch nirgends publiziert worden, und ihr angeblicher russischer Entdecker verlange für eine Publikation mehrere Hundert Dollar.

Der Berner Prozess von 1934-35 über die “Protokolle” und C. A. Loosli als Gutachter

Beim Prozess, den der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) 1934-35 in Bern als Kläger gegen die Schweizer Frontisten (= Partei mit nationalsozialistischem Gedankengut) anstrebte, wurden die “Protokolle der Weisen von Zion” gemäss damaligem Berner Recht als Schundliteratur verurteilt. Mit formaljuristischer Begründung wurde dieses Urteil jedoch 1937 vom Berner Obergericht aufgehoben. Trotzdem liess die Urteilsbegründung durchblicken, dass in der Schweizer Demokratie kein Platz sein könne für die einseitige Diffamierung und Ausgrenzung einer ganzen Volksgruppe.

In einem Buchzeichen habe ich nun verschiedene Links zusammengestellt zum Berner Prozess, zu den “Protokollen der Weisen von Zion” und zur Frage, ob die “Protokolle” tatsächlich eine Fälschung im Auftrag des zaristischen russischen Geheimdienstes sind.

Wikipedia Berner Zionistenprozess

Bookmarks Foscube zu den “Protokollen der Weisen von Zion”

Tagung zu C. A. Loosli, dem “Philosoph aus Bümpliz”, im Literaturhaus Zürich

Im Literaturhaus Zürich (im Haus der Museumsgesellschaft) war am 25. Nov. 2009 eine Tagung dem Schriftsteller und Philosophen C. A. Loosli aus Bümpliz (1877-1959) gewidmet, dessen Werke jüngst im Rotpunkt-Verlag neu ediert worden sind. (cf. Programm der Tagung als pdf).  Auch eine mehrbändige Biographie über den Schriftsteller ist im Erscheinen begriffen. In der Sendung “Sternstunden der Philosophie” des Schweizer Fernsehens vom 10. Mai 2009 (Link zu dieser Sendung) war ein sehenswerter Beitrag über Loosli zu sehen: Der inzwischen verstorbene Schweizer Schriftsteller Hugo Loetscher (”Lesen statt Klettern”) und der Historiker Jakob Tanner unterhielten sich eine Stunde lang über das vielschichtige Werk Looslis, der zu seinen Lebzeiten etwas verkannt worden ist, nun aber literarisch und zeitgeschichtlich “wiederentdeckt” wird und eine verdiente postume Renaissance erlebt. Auch die Schweizerische Nationalbibliothek widmete Loosli eine eigene Ausstellung. (vgl. Kurzfilm Fernsehen SF1 zur Ausstellung).

Vom Pflegekind und Arbeitsanstaltsinsassen zum Schriftsteller und Zeitkritiker
Loosli wuchs als Pflegkind bei einer Frau in Schüpfen (Kt. Bern) auf und wurde anschliessend in verschiedenen Heimen und Arbeitsanstalten versorgt. Als Autodidakt betätigte er sich als emmentalischer Mundartdichter, als Autor eines Kriminalromans (”Schachmattbauern”), als Verfasser einer “Studie” über den Berner Dichter Jeremias Gotthelf, welche ihres teils die Literaturwissenschaftler persiflierenden Charakters wegen bei der Zunft der Gotthelf-Kenner viel Staub aufwirbelte. Zudem schrieb Loosli eine mehrbändige Biographie über den Schweizer Künstler Ferdinand Hodler. Als Publizist (unter anderem an der sozialdemokratischen “Berner Tagwacht”) befasste er sich stets auch mit gesellschaftspolitischen Fragen: So mit dem Heimwesen, den Arbeitsanstalten und dem Schicksal der in fremden Bauernfamilien untergebrachten Verdingkinder.
Kämpfer gegen den Antisemitismus und Gutachter im Berner Prozess gegen das judenfeindliche Machwerk der “Protokolle der Weisen von Zion”
Bereits 1927 publizierte Loosli unter dem Titel “Die schlimmen Juden” ein Buch, das sich gegen den Antisemitismus wandte, der vor allem in nationalistisch-konservativen Kreisen in Deutschland (und in der Schweiz) zahlreiche Anhänger gefunden hatte. Während des sog. Frontenfrühlings in der Schweiz der 1930er-Jahre fungierte Loosli als Gutachter in einem Prozess, der von Vertretern der Schweizer Juden gegen Frontisten angestrengt wurde, welche bei einer Veranstaltung im Berner Kursaal die judenfeindliche Hetzschrift “Die Protokolle der Weisen von Zion” aufgelegt hatten. In der neuen Werkausgabe ist Looslis Gutachten leider nur ausschnittweise wiedergegeben, während der am Prozess die nationalsozialistische Ideologie vertretende Antisemit Fleischhauer aus Erfurt sein Gutachten alsbald im nationalsozialistischen Deutschland publizierte und so weiter zur Judenhetze beitrug, die bekanntlich im Holocaust ihre schlimmste Auswirkung zeitigte (antisemitisches Gutachten Fleischhauer als pdf).. Vgl. Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung 1933-1939 in Deutschland (Website des Deutschen Historischen Museums = LeMO).

Vgl. die ausführliche Linksammlung zum Berner Prozess 1934-35 des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes gegen Frontisten, welche die “Protokolle der Weisen von Zion” verteilten. Loosli wirkte bei diesem Prozess als Gutachter.

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Clio, die Muse der Geschichte, spinnt weitere Fäden

Infoclio-Tagung (vom vergangenen Sept. 2009 in Bern) digital aufbereitet erhältlich

In einem Nachtrag zu meinem Blog über die Tagung “Digitale Medien und Infrastrukturen für die Geschichtswissenschaften” vom vergangenen 11. u. 12. Sept. 2009 in Bern habe ich darauf hingewiesen, dass beinahe die gesamte Tagung quasi am eigenen Computer nachvollzogen werden kann. Die Veranstalter (infoclio.ch) haben dazu eine eigene Website zusammengestellt. Gute Podcasts und Bilder/Slideshows, etwas weniger gelungene MP3-Direktaufnahmen der Referate. Vgl. zudem diese zweite Webpage.

Empfehlenswert auch das HistnetWiki. Cf. etwa dessen Spezialseite Letzte Aenderungen.

Zweite Schweizerische Geschichtstage vom 4.-6. Februar 2010 in Basel

Die Ausschreibung der Zweiten Schweizerischen Geschichtstage zum Thema «Grenzen» ist auf ein grosses Interesse gestossen. Vom 4. bis 6. Februar 2010 werden in Basel rund 70 Panels zu den unterschiedlichsten Themen der Geschichtswissenschaft organisiert.

Link =  2. Schweizerische Geschichtstage vom kommenden Febr. 2010 in Basel

Der Verein “Geschichte und Informatik” wird an dieser Tagung ein eigenes Panel zum Thema “Grenzen und Räume in Bewegung: Die Visualisierung der Veränderung mithilfe von Computertechnologie und kartographischen Methoden” organisieren.

Leberbergisches Wochenblatt 1817-1832

Mit der freundlichen Erlaubnis des Staatsarchivs Bern konnte ich die kompletten Jahrgänge der Zeitung Leberbergisches Wochenblatt = Journal du Jura von 1817 (Hungerjahr !) bis 1832 durchfotografieren. Weitere Details zum Leberbergischen Wochenblatt in meinem JuraSchweizWiki:

Link Leberbergisches Wochenblatt im JuraSchweizWiki

Link JuraSchweizWiki-Portal