Monument National à la Résistance, Plateau des Glières

In den Alpen des französischen Departements Haute-Savoie liegt auf rund 1′500 Metern Höhe die Hochebene von Glières (plateau des Glières), im März 1944 Schauplatz eines ungleichen Kampfes von französischen Widerstandskämpfern gegen die Uebermacht der deutschen Wehrmacht und ihrer Helfer…

Auf dieses Plateau führte uns ein Car von Genf aus anlässlich einer Exkursion der Schweizerischen Vereinigung für Militärgeschichte und Militärwissenschaft (SVMM). Vgl. die Diaschau mit Fotos zu diesem Ausflug zum Plateau des Glières auf flickr.

Der strahlend schöne Sommertag konnte uns nicht vergessen lassen, dass im März 1944 die Kämpfe im Schnee geführt wurden. Rund 120 Widerstandskämpfer fanden den Tod und weitere zwei Drittel der rund 450 Widerstandskämpfer wurden gefangengenommen. Vgl. Maquis des Glières.


Bild links: Plateau des Glières, mars 1944

Die Ereignisse sind im Zusammenhang mit den bevorstehenden Landungen der Alliierten im Sommer 1944 in der Normandie und in Südfrankreich zu sehen: Die Widerstandskämpfer sollten von den Engländern Waffen und Munition für Operationen zur Befreiung Frankreichs von der deutschen Besatzung erhalten. Nachdem die Engländer erfolgreich aus Flugzeugen Waffen und Munition mit Fallschirmen auf dem Plateau abgeworfen hatten, wurde die deutsche Werhmacht aktiv und ging (zusammen mit bewaffneten Milizen der Vichy-Regierung und weiteren französischen Polizeieinheiten) gegen die Résistants vor, die gegen die deutschen Flugzeuge und die zahlenmässige Uebermacht keine Chance hatten. Dies geschah jedoch zu einem Zeitpunkt, als sich die deutsche Niederlage im Weltkrieg bereits abzuzeichnen begann und man mit der Landung der Alliierten in Frankreich rechnete.

Eigentlich sollte ein Maquis eine Gruppe sein, die einen Guerillakrieg führt und sofort wieder “untertauchen” kann, wenn dies nötig ist. Auf dem Plateau wurde die Gruppe von Widerstandskämpfern jedoch allmählich zu gross: Zu erfahrenen Soldaten der französischen “Armée secrète” stiessen auch zahlreiche “réfractaires”, jüngere Franzosen, welche dem Aufgebot zur Zwangsarbeit in Deutschland zu entkommen suchten. Auch kommunistische Partisanen und ehemalige spanische Bürgerkriegskämpfer stiessen zur Gruppe, die allmählich zu gross geworden war.

Die Ereignisse auf dem Plateau erhielten alsbald Resonanz in der “guerre des ondes” (Radio-Krieg): Die Wehrmacht und die von ihr kontrollierten Radiosender stellten die unterlegenen Partisanen als terroristische Banden hin, dagegen würdigte Radio Londres als französische Stimme de Gaulles den tapferen Einsatz der unterlegenen Widerstandskämpfer als wichtigen Beitrag und erste Schlacht zur Befreiung Frankreichs. “Défaite des armes, mais victoire des âmes”.

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Bild links: Général Jean-René Bachelet
Im Hintergrund: Denkmal für Widerstandskämpfer und Fahne Frankreichs mit Lothringerkreuz

Wir hatten das Glück, in Général Jean-René Bachelet, Präsident der Association des Glières, einen kompetenten “Guide” zu haben, der manche Erklärungen zu geben wusste und Fragen kompetent beantworten konnte. Bachelet stand selber dem 27e Bataillon de Chasseurs Alpins vor, jener Einheit, der auch verschiedene Widerstandskämpfer von 1944 auf dem Plateau angehörten. Auf die Niederlage der Partisanen im März 1944 folgten dann der allmähliche Rückzug der deutschen Truppen und erneute Waffenabwürfe durch die Alliierten auf dem Plateau. Die savoyischen Alpenjäger befreiten nun die Haute-Savoie eigenständig, und es kam die Stunde der Abrechnung mit den Kollaborateuren (Épuration) und die grosse Aufgabe des Wiederaufbaus und der Besinnung auf die demokratischen Werte.

Die deutsch-französische Freundschaft, die Gründung der UNO und eines vereinten Europas werden Wirklichkeit… Es folgt der Kalte Krieg, der Krieg in Indochina, in Algerien. Die ehemaligen Widerstandskämpfer und auch die Kollaborateure gehen ihre eigenen Wege nach der Kapitulation Deutschlands und dem Ende des Vichy-Régimes unter Maréchal Pétain. Jacques de Bernonville, der die Vichy-Miliz im Kampf gegen das Maquis von Glières angeführt hatte, muss vor der französischen Justiz fliehen. Oberst Yves Godard, der zum Maquis stiess und dort das 27e Bataillon de Chasseurs Alpins kommandierte, wird später im Indochinakrieg (Dien Bien Phu), im Suezkrieg 1956 und im Algerienkrieg kämpfen; in Algerien ist er zuständig für die Sicherheit, nimmt am Offiziersputsch teil, tritt in die OAS ein und wird in Frankreich zu Tode verurteilt und später begnadigt…

Général Bachelet, der uns führte und auch in Sarajevo im Einsatz war, hat sich immer wieder Gedanken gemacht zur Ethik militärischer Einsätze; vgl. etwa seinen lesenswerten englischsprachigen Artikel “Bringing the Violence of War under Control in a Globalized World“.