Abb.: Geschenkdose Villars mit
Schweizer Kantonswappen
Als ich diese Geschenkdose im Regenove Tramelan erstehen konnte, wurden Jugenderinnerungen in mir wach:
Als Kinder kopierten wir während der Ferien zum Zeitvertreib mit Buntstiften die Schweizer Kantonswappen aus dem Pestalozzi-Kalender. Zuerst die einfachen Wappen wie Zürich, Luzern, Freiburg, Zug, Solothurn, Tessin, dann die schwierigeren mit Bären, Löwen und Bischofsstäben…
Die Villars-Dose ist ein Abbild der Glaskuppel im Berner Bundeshaus (Schweizer Parlamentsgebäude). Wie auf der Dose hat auch in der Glaskuppel des Bundeshauses der Kanton Jura keinen Platz mehr im Rund der 22 Kantone gefunden und ist als Spätkömmling separat ausserhalb des Runds plaziert.
Abb.: Kuppel im Berner Bundeshaus
(Copyright: Peter Mosimann)
Im Zenit der Kuppelhalle bildet das Schweizerwappen den Mittelpunkt der Glaskuppel. Das als Mosaik ausgeführte Wappen stammt aus dem Atelier von Clement Heaton. Es ist von Eichenlaub umrankt und wird von zwei weiblichen Freiheitsfiguren getragen. Auf zwei Spruchbändern steht der Wahlspruch: Unus pro omnibus / omnes pro uno («Einer für alle / Alle für einen»).
Um das Mosaik gruppieren sich radial die Wappen der damals 22 Kantone (die Halbkantone teilen sich jeweils ein Wappen). Diese Glasmalereien von Albert Lüthi symbolisieren in Verbindung mit dem Mosaik einerseits die zentralisierende Funktion des Bundes, andererseits die gegenseitige Abhängigkeit von Bund und Kantonen. Nach der Gründung des Kantons Jura im Jahr 1978 gab es keinen Platz für ein zusätzliches Wappenfeld. Aus diesem Grund wurde das jurassische Kantonswappen drei Jahre später aus farbigem Stuck modelliert und in die Mitte des südlichen Gurtbogens eingesetzt.
Als Kinder durften wir oft den Vater im Auto auf der Fahrt nach Freiburg/Schweiz begleiten. Oftmals waren am Rand der alten Strasse (es gab noch keine Autobahn) die Villars-Kühe zu sehen, was wir mit einem einem entzückten Schrei der Begeisterung signalisierten.
Abb.: Villars-Kuh
Chocolat Villars (der Hersteller der Geschenkdose) hat überlebt, nicht aber die als Reklame postierten Villars-Kühe, von denen es nur noch einzelne Restexemplare gibt.
Entworfen wurde die Villars-Kuh vom Zuger Künstler Martin Peikert – als Markenzeichen für die 1901 in Fribourg von Wilhelm Kaiser gegründete Firma «Chocolat Villars». Aus Blech geformt war die Villars-Kuh in den 1930er-Jahren als Reklameschild vielerorts zu sehen. Heute indes sind die Villars-Kühe bis auf wenige Exemplare beinahe ganz verschwunden. Ein Gegenstück zur Villars-Kuhn ist die Milka-Kuh, die ihrerseits für Schweizer Schokolade wirbt.



