Die
Klage des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes und der
Israelitischen Kultusgemeinde Bern erfolgte 1933. 1934 und
1935 tagte das
Gericht; 1937 revidierte das Obergericht das erstinstanzliche Urteil
und sprach die beiden Verurteilten aus formaljuristischen Gründen frei.
1934 sagten am Prozess eine Reihe russischer (meist in Paris im Exil
lebender) Zeugen aus zur Entstehung/Fälschung der sog. Protokolle der
Weisen von Zion. Der prominenteste Zeuge war wohl der spätere Präsident
des Staates Israel, Chaim Weizmann. 1935 wurden anlässlich einer 2.
Session des Gerichtes die Gutachter angehört (Baumgarten/Basel als von
den Klägern bezeichneter Gutachter, Fleischhauer/Erfurt als von den
Beklagten bezeichneter Gutachter, und C. A. Loosli/Bern als vom
Gerichtspräsidenten Meyer bezeichneter Experte). Das Urteil von 1935,
welches die Beklagten Fischer und Schnell schuldig sprach, wurde 1937
aufgrund einer Appellation der Verurteilten revidiert: Aus
formaljuristischen Gründen wurden Fischer und Schnell freigesprochen.
Das zuständige Obergericht hielt jedoch an einer moralischen
Verurteilung der inkriminierten antisemitischen Schriften fest.
Anklage 1933 im sog. Zionistenprozess in Bern:
Anklage des Schweiz. Israelitischen
Gemeindebundes/Georges Brunschvig 1933 im Anschluss an die
Kundgebung im Kasino Bern
Inkriminierte Dokumente:
Gesetzliche Grundlage für die Anklage:
Gesetz (des Kantons Bern) über das Lichtspielwesen und Massnahmen gegen die Schundliteratur vom 10. Sept. 1916,
Art. 14-16 (deutsche Fassung).
Loi (du Canton de Berne) sur les spectacles cinématographiques et les
mesures à prendre contre les publications immorales du 10 sept. 1916,
Art. 14-16 (version française).
Protokoll der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 16. November 1933 im Amthaus Bern (Protokoll von Sekretär Hauswirth):
Protokoll vom 16. Nov. 1933 (Aussagen der Beschuldigten)
Vorladungen für die Hauptverhandlung vom 29.-31. Okt. 1934 (Schwerpunkt: Einvernahme der Zeugen)
Vorladung der Klaeger und Beklagten SIG und Israel. Kultusgemeinde Bern als Kläger, 5 vorgeladene Beklagte (Schnell, Meyer, Haller, Ebersold, Fischer)
Die Liste wird angeführt von Chaim Weizmann, der selber nicht am
1. Zionistenkongress in Basel anwesend war; es folgen Kenner der
Verhältnisse in Russland z.Z. der letzten Zaren und des Bürgerkrieges
nach der Oktoberrevolution (du Chayla, Swatikoff, Burtzeff,
Nikolajewsky, Sliosberg, Miljukoff); dann mehrere Teilnehmer am Basler
Kongress 1897 (Ehrenpreis, Mayer-Ebner, Bodenheimer, Farbstein, als
Stenographen 1897 in Basel Sieber und Dietrich [vgl. die
Auffindung dieser Stenographen durch Anwalt Oskar Meyer, Basel im Basler Prozess] sowie Otto Zoller als
Redaktor der "Basler Nachrichten 1897 [dessen Vorladung fehlt]); sodann
die Zeugen zur Freimaurerei (Tobler und Welti, beide Bern); Philipp
Graves von der Londoner "Times", der nicht persönlich erschien, aber
eine schriftliche Zeugenaussage deponierte; Kaminka (Wien, Jerusalem),
eingeladen aber verhindert; Alberto Meyer, der Verfasser des Artikels
"Schweizermädchen, hüte dich vor den schändenden Juden" im
BNSE-Kampfblatt "Der Eidgenosse" (aufgeboten, aber ferngeblieben). Die
Vorladung des Alfred Zander, der als Zeuge der Beklagten auftrat
und im "Eisernen Besen" über die Protokolle der Weisen von Zion
schrieb, fehlt ebenfalls. Zander trat zuletzt als einziger Zeuge der
Beklagten auf.
Vgl. dazu die Protokolle zu den Zeugeneinvernahmen.
Vorladung der Experten
C. A. Loosli und A. Baumgarten, für die Beklagten als Experte der
Orientalist Hausherr, Univ. Zürich, vorgeladen (anstelle des postalisch
unerreichbaren Deutschen "Pastors a.D." und Reichstagsabgeordneten
Ludwig Münchmeyer); Hausherr sagt als Experte ebenfalls ab und wird dann durch
den Deutschen Fleischhauer ersetzt (als Experte der Beklagten).
Die Experten treten mit ihren Gutachten aber erst an der Hauptverhandlung 1935 auf.
Vorladung der Uebersetzerin aus dem Russischen (Nadine Schmid).
Protokolle
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 29.-31. Oktober 1934
im Amthaus Bern (Protokoll von Sekretär Schönmann):
Protokoll vom 29. Oktober 1934 (Zeugeneinvernahme betr. der sog. Zionistischen Protokollen und der Freimaurer)
Protokoll vom 30. Oktober 1934 (Fortsetzung der Zeugeneinvernahme)
Protokoll vom 31. Oktober 1934
Fragen an die Experten im Berner Prozess:
Gutachten der Experten zu den sog. Protokollen der Weisen von
Zion:
Gutachten des von der Klägerschaft ernannten
Experten Baumgarten zu den sog. Protokollen der Weisen von
Zion
Gutachten des von den Beklagten ernannten
Experten Fleischhauer (Erfurt-Weltdienst) zu den Protokollen
der Weisen von Zion; dasselbe
ohne Abb.en, aber mit TOC Gutachten des von Richter Meyer ernannten
Experten Loosli zu den sog. Protokollen der Weisen von Zion
Mündliche Ergänzung vom 29. April 1935
(zum Gutachten Loosli vom 15. Okt. 1934), entspricht dem vorher
schriftlich fixierten Vortrag Looslis als Experte vor Gericht 1935
Protokolle
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 29. April - 13. Mai 1935 im
Amthaus Bern (Protokoll der Sekretäre Schönmann und Schmutz)
Protokoll vom 29. April 1935 MontagProtokoll vom 30. April 1935 DienstagProtokoll vom 1. Mai 1935 MittwochProtokoll vom 2. Mai 1935 DonnerstagProtokoll vom 3. Mai 1935 FreitagProtokoll vom 4. Mai 1935 SamstagProtokoll vom 6. Mai 1935 MontagProtokoll vom 7. Mai 1935 DienstagProtokoll vom 8. Mai 1935 MittwochProtokoll vom 9. Mai 1935 DonnerstagProtokoll vom 10. Mai 1935 FreitagProtokoll vom 11. Mai 1935 SamstagProtokoll vom 13. Mai 1935 MontagUrteil 1. Instanz vom 14. Mai 1935 Dienstag
Plädoyers
der Anwälte an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung 1935 im Amthaus
Bern (Assisensaal), nach dem stenographischen Protokoll
Plädoyers der Anwälte der Kläger:Fürsprech Georges Brunschvig, Bern (für die
Israelitische Kultusgemeinde Bern), Freitag, 10. Mai 1935
Fürsprech Prof. Dr. Hans Matti, Bern (für den
Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund), Samstag, 11. Mai 1935
Plädoyers der Verteidiger der Beklagten: Fürsprech Dr. Werner Ursprung, Zurzach (verteidigt
Haller, Georg Bernhard geb. 1879, Kaufmann und Oberstleutnant
sowie Meyer, Johann Konrad geb. 1907, Dr. iur.), Samstag, 11. Mai 1935
Fürsprech Hans Ruef, Bern (verteidigt
Schnell, Alfred Silvio geb. 1909, Musiker), Montag, 13. Mai 1935
N.B. Die beiden Angeklagten
Fischer, Theodor geb. 1895, Architekt
sowie Ebersold, Ernst Walter geb. 1894, Architekt beauftragten keinen Rechtsanwalt zu ihrer Verteidigung.
Persönliche Erklärungen von Angeklagten vor Gericht (erstinstanzliche Hauptverhandlung 1935, stenographisches Protokoll)
Ebersold, Ernst Walter geb. 1894 kurze Erklärung
des Angeklagten: Montag, 13. Mai 1935 (Ebersold, Mitglied der
Nationalen Front, wird bereits im erstinstanzlichen Urteil von
Walter Meyer freigesprochen)
Haller, Georg Bernhard geb. 1879 längere aufschlussreiche Erklärung
des Angeklagten: Montag, 13. Mai 1935 (Haller, Kaufmann und
Oberstleutnant im Militär, Bernburger, Sohn eines Pfarrers an der
Berner Heiliggeistkirche und einer von Erlach, war Gatte einer
Berlinerin und Gauführer Bern des "Bundes
Nationalsozialistischer Eidgenossen"; er wird bereits im
erstinstanzlichen Urteil von Walter Meyer freigesprochen)
Begründung und Verlesung des erstinstanzlichen Urteils durch Walter Meyer, Gerichtspräsident V, Bern
Begründung und Verlesung des Urteils, Dienstag, 14. Mai 1935
Erklärung des Gerichtspräsidenten Walter Meyer vom 14. Mai 1935 (zuhanden der anwesenden Presse) zu einer Beschwerde des deutschen Experten Ulrich Fleischhauer betr.
herabwürdigende Aeusserungen des Experten C. A. Loosli über Deutschland
(Fleischhauer hatte die Beschwerde persönlich gegenüber dem
schweizerischen Bundespräsidenten Rudolf Minger und "Aussenminister"
Bundesrat G. Motta vorgebracht)
Protokoll der Revisionsverhandlung vor dem Obergericht Bern vom 27.
Oktober 1937 (Geschworenensaal), Protokoll von Sekretär Zürcher
Protokoll vom 27. Oktober 1937 (Verhandlung)
Protokoll
der Verkündung des Urteils des Obergerichts des Kantons Bern
(Appellationsinstanz) am 1. November 1937, Richter Otto Peter
Protokoll Urteilsverkündung Obergericht vom 1. November 1937 (Sekretär Zürcher)
Revisionsverhandlung 1937 (Appellation Obergericht Bern):
Revision
des Schuldspruchs gegen Fischer/Schnell von 1937 mit
Begründung der Appellationsinstanz (Obergericht Bern) = Dossier 53 S.
Vom in 1. Instanz schuldig gesprochenen Theodor Fischer der Revisionsinstanz eingereichte Unterlagen
Dossier Theodor Fischer vom 16. Okt. 1937 sowie
Anlagen zu diesem Dossier
Zusammenstellung der Prozesskosten 1. und 2. Instanz
Uebersicht Prozesskosten (Zusammenstellung 1937)
Der Prozess im Spiegel der Lausanner und Genfer Presse
Französischsprachige Artikel (pdf) aus der
Gazette de Lausanne und dem
Journal de Genève (1933-1937)
Artikel in der Wikipedia zum Prozess
Wikipedia deutsch:
Berner Prozess
Wikipédia franz.:
Procès de Berne
Wikipedia engl.:
Berne Trial
Dem Gericht (1. Instanz und Obergericht) eingereichte Unterlagen und Beweismittel***
Es
handelt sich um Dokumente, die dem Gericht (Gerichtspräsident Walter
Meyer 1933-1935 oder Obergericht 1937) eingereicht wurden und im
Gerichtsdossier enthalten sind. Diese Dokumente sind eingereicht worden
von den Parteien (Kläger und Beklagte) sowie von den Experten und
Zeugen etc.
Details auf der folgenden Webpage:
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as of Nov. 07, 2012